Heute Morgen regnete es und die Wolken hingen tief.

Also widmeten wir uns der Kultur. Bergen hat tolle Museen. Zwei davon schauten wir uns an. Als erstes besuchten wir die weltweit drittgrösste Sammlung von Bildern von Edvard Munch. Sie ist sehr schön konzipiert, man kann die Entwicklung des Malers gut nachvollziehen.

(Edvard Munch, 1863-1944, Sommernatten. Inger på stranden, «Sommernacht. Inger am Strand», 1889)
Im gleichen Museum ist die Sammlung von Rasmus Meyer ausgestellt. Es ist einfach beglückend, diese Arbeiten zu sehen, die Lichtführung, die Farben und die unmittelbaren Eindrücke vom norwegischen Alltag im letzten und vorletzten Jahrhundert.

(Christian Krogh, 1852-1925, Et nødskudd, «Ein Notsignal», 1886)

(Christian Krogh, 1852-1925, Mor og barn, «Mutter und Kind», 1904)

(Eilif Peterssen, 1852-1928, På Utkikk, «Ausschau halten», 1889)

(Eilif Peterssen, 1852-1928, Landskap med kvinnefigur, «Landschaft mit Frauenfigur», nicht datiert)

(Gerhard Munthe, 1849-1929, Nevlunghavn, 1881)
Dieses Bild hat uns gut gefallen, es zeigt den Ort, wo wir vom 4.-7. Juni einquartiert waren.
Nach einer kurzen Pause, wir brauchten noch Brot für morgen und etwas zum Apéro für heute vor dem Abendessen, besuchten wir das Lysverket. Das Gebäude ist das ehemalige Elektrizitätswerk von 1938. Hier fanden wir die Ausstellung Kunst. Hand. Werk.

Ach, so viele witzige, überraschende, kunstvolle Arbeiten haben wir da gesehen!

(Erlend Leirdal, 1964, Atterkomst, «Die Rückkehr,» 2011)
Aus ein paar alten Stühlen hat er einfach einen neuen zusammengestellt. Upcycling der besonderen Art.


Eine Schale aus alten Werkzeugen und Schrauben. Hab mir leider den Künstler nicht gemerkt. Hey, Kinder, das könnt ihr doch auch? (Wir haben sehr kreative Enkel und Enkelinnen).


Ein paar alte Aromat-Dosen? Einen Henkel daran montiert und fertig sind die Buttersaucengebinde.


(Rui Sasaki, 1984, Liquid Sunshine/Hakuu calling from Bergen in Oslo, «Flüssiges Sonnenlicht/Hakuu ruft von Bergen in Oslo an», 2025)
Wir konnten in einen völlig dunklen Raum eintreten, wo riesige Glastropfen (mind. 1m lang) von der Decke hingen. Sie waren aus mundgeblasenem Glas und phosphorizierendem Material hergestellt. Breitband-UV-Licht strahlt die Tropfen an. Das war sehr poetisch.
Die letzte Installation, die mich beeindruckte, war eine halbhohe Mauer mit abgetragener norwegischer Kleidung. Es hatte Pullover, Mützen, Handschuhe und Schals; die meisten in den traditionellen Mustern. Sie waren mit einzelnen Fäden verbunden. Die Idee dahinter sei, aus den Lieblingsstücken Kunst zu machen statt einfach alles wegzuwerfen.

(Kari Steihaug, 1962, Ruin, «Ruine», 2007)

Die Installation will Emotionen und Assoziationen wecken. Mich spricht das sehr an. Diese Kunst steht im Gegensatz zu den vielen Geschäften wo neue Kleidungsstücke verkauft werden. Zum Teil echt schöne Handarbeit, zum Teil industriell gefertigte Massenware.

Ein handgestrickter Pullover für 3495 Norwegische Kronen, das sind fast 300 SFr. Kann man selber machen.

Die Oleana-Boutique in Bergen. Sie machen die Stoffe und die Verarbeitung der Wolle selbst in der Gegend. Ich habe mich inspirieren lassen punkto Muster und Schnitten, das kann man ja alles selber machen.
Dieser Tag hat meine Seele gestreichelt und meine Fantasie angeregt.
Nun haben wir gepackt und gehen noch einmal in die Stadt zum Abendessen. Morgen ziehen wir weiter.
Sowohl gestern als auch heute habe ich Stoffe fotografiert. Interessante Gewebe – die Mann ja vielleicht auch selber machen kann…
Krass, dieser Unterschied: bei euch regnet es und ist kalt, hier haben wir am späten Nachmittag immer noch 32° auf dem Balkon, und die Aare ist fast 23 ° warm …
Wunderschöne Bilder hast du für uns fotografiert. «Inger am Strand» gefällt mir am besten.
Wie kommen diese Aromatdosen nach Norwegen?? Brauchen die dieses typisch schweizerische Bünzli-Gewürz (pardon – -) auch??
Das war ein Schweizer Künstler, hab leider den Namen nicht fotografiert…
Ah, Thomas Hirschhorn. Habs gegoogelt
Das Bildermuseum hat mich fasziniert. Ausser Munch habe ich keinen gekannt, aber alle sind grosse Künstler. «Das flüssige Sonnenlicht» ist etwas Besonderes in dem dunklen Raum, und es ist gut, dass alle diese Kommentare als Tagebuch erhalten bleiben. Was wird wohl in der Praxis als Ausbeute aller Eindrücke für uns zu sehen sein?
Ja, das bin ich auch gespannt!