Gestern kamen in den Kommentaren noch Fragen auf. Erstens, wie die Temperaturen hier seien? Wir haben zwischen 12-20 Grad Tagestemperatur. Oft ist es windig, oft regnet es. Uns stört das nicht, wir sind alleweil vergnügt.
Die zweite Frage betraf meine Fähigkeiten, ob ich das Schiff, das ich gestern anschmachtete (Nautor Swan 64), auch pilotieren könnte? Ich würde mal sagen, dass ich das könnte. Mein Restselbstbewusstsein ist ziemlich robust. Ich bräuchte bestimmt eine Einführung in die luxuriösen Gadgets, die so ein Kahn bietet, aber ich würde mich getrauen, abzulegen und Segel zu setzen. Die physikalischen Verhältnisse bleiben sich ja gleich, ob man ein kleines oder ein grosses Segelboot fährt. Die Masthöhe korreliert mit dem Ballastanteil und die Segelflächen muss man bei Starkwind ebenso verkleinern wie bei kleinen Booten. Auf dieser Nautor Swan hätte es natürlich elektrische Winschen. Die Segel sind so schwer, dass man die nicht mehr mit Manpower oder eben Womanpower hisst. Dazu gibt es bestimmt Bug- und/oder Heckstrahler, das bedeutet, dass man das Schiff mehr oder weniger auf Platz drehen kann.
Punkto Navigation, Wind- und Wetterbeobachtung, Kollisionsverhütung, Crewzustand und -potenzial, Fluchthäfen und Pläne B sind auf kleinen wie grossen Schiffen dieselben Skills gefragt. Eine Mahlzeit wäre auch vorgekocht. Die gewohnte, wohlsortierte Kommandostruktur ist ebenfalls die gleiche. Vernünftig segeln muss frau auf kleinen wie auf grossen Yachten. Der Dekadenz-Faktor hier ist einfach ungleich grösser.
Alleine würde ich das jedoch nicht machen. Ich würde einfach meinen Co-Skipper Philipp zwangsbeglücken und mitnehmen. Der flickt nämlich alles, was baden geht.
Und dann: Volltuch oben, zwei Finger lässig am Rad und mir den Wind um die roten Wangen wehen lassen. Meine struppige Mähne auswehen lassen. Das Wasser gurgelt satt ums Heck. Die Logge zeigt zweistellige Speedwerte an. Alle anderen Yachten würde ich überholen. Im Lee natürlich, wie es sich gehört. Ich liebe Triumphmanöver. Und nicht vergessen: trotz lauter Stolz und Eingebildetsein ab und zu den Kopf drehen und schauen, ob nicht von hinten eine Fähre naht. . .
Aber genug der Träume. Heute haben wir uns ein schönes und wichtiges Denkmal angeschaut.



Es handelt sich um die drei Wikinger-Schwerter, die als Andenken an die Schlacht um 872 (?) errichtet wurden. Harald Schönhaar (sic!) war damals erster König Norwegens geworden. Er vereinigte nämlich als erster den Norden, den Südosten und den Südwesten Norwegens. Eine Liebesgeschichte war auch noch dahinter. Wie fast immer.
Die Legende besagt, dass die Wikinger in Friedenszeiten die Schwerter in die Erde steckten. Das würde unseren heutigen Kriegsgurgeln in Ost und West auch gut anstehen. Das Denkmal wurde 1983 geschaffen und erinnert an die Schlacht. Es ist ein Mahnmal für Frieden. Hier schwirrt sogar eine Friedensmöve um die Schwerter.

Auf dem Rückweg passierten wir eine Frauenskulptur. Es handelt sich um Ane Malene Jonsdatter Nilsen. Sie war die Frau eines Fischers und lief alle Tage, Sommer und Winter, mit dem Fang des Ehemanns weite Strecken, um den Fisch zu verkaufen. Sie sei trotz wunder Beine oft mit den Schuhen in den Händen gesehen worden. Respekt!


Anschliessend wollten wir uns den imposanten Wasserfall Månafossen ansehen. Der Zustieg (zeitweise fast wie ein Klettersteig, aber gut gesichert) war anstrengend, aber der Aufwand hat sich gelohnt.


Dies sind Philipps Fotos, ich kann nicht so nahe an den Abgrund stehen. Als nicht schwindelfreie Person halte ich mich lieber im Hintergrund.


Das Tal ist sehr eindrücklich. Feucht, neblig, abweisende Felsen und urwaldähnliche Vegetation.


Auf dem Heimweg besuchten wir noch einen Garn- und Wollefabrikverkauf. Eindrücklich, aber ich habe im Moment genug Wolle zum Stricken.

Mein neuer, ganz in Norwegen gestrickter Pullover aus Emmental-Alpaka-Wolle ist heute Abend fertig geworden.

Nun gibt es Apéro, Abendessen und keinen Fussballmatch. Gestern Abend, während des Schweiz-BiH-Matches, fuhr uns einer dieser Kreuzfahrtriesen fast in den Garten.

Leider vermissen wir die Ente. Als sie hörte, dass es heute Abend Entenbrust gibt, ist sie verduftet.
Änteli kommt aber schon wieder, oder? Mag es auch „nur“ Plastic sein, ich mag das Viechli.
Ich suche es morgen. Bestimmt.
Sehr eindrücklich, die drei Schwerter! Aber ich glaube nicht, dass wir noch eine Situation erleben, wo unsere weltweiten Kriegsgurgeln ihr «Schwert» in den Boden stecken können. Das Fraueli mit dem Fischkübel auf dem Rücken hat mir gut gefallen, aber der Wasserfall und das Moos auf all den Steinen haben mich begeistert. Sogar das Video konnte ich geniessen! Auch der Pullover ist Spitze!
Ja, ich habe auch Freude daran!
Mich beschäftigt das mit dem Änteli auch sehr! Du hast es doch wohl nicht per exgüsee verschwinden lassen oder? Das wäre, exgüsee nochmals, herzlos😨
Ich BIN herzlos! 😅
Liebe Marianne und Philipp
Herzlichen Dank für die guten Berichte. Inside Norway ist es kulturell und geographisch sehr interessant. Ich habe ja fast nur die Küste drei mal kennen gelernt .
Das Denkmal für die tüchtige Frau gefällt mir besonders. In Norwegen haben die Frauen schon vor langer Zeit die Ökonomie mitbestimmt. Ich habe in den Lofoten die gleichen Geschichten der tüchtigen Frauen erzählt bekommen.
Auch durfte ich dort mal eine Frau an einem Fest kennen lernen, die 3 Monate auf einer Ölplattform gearbeitet hat und dann wieder 3 Monate für die Kinder geschaut hat.spezieller Lebensrhythmus…
Das Schiff Swan ist ja ein finnisches Produkt und heute in dieser 64er Grösse sicher etwas langweilig, da alles automatisiert ist und Philip viel Arbeit hätte, da bekanntlich solche Schiffe viel Reparaturbedarf aufweisen…..
Lina und ich haben letzte Woche sehr schöne windige Segeltage erlebt,
Nun hat die Omegalage uns wieder fern gehalten vom See…windstill und heiss…
Dafür rauschen die Tiefs bei euch vorbei! Und das bleibt noch lange so…..
Viel Vergnügen bei eurer Reise und die Berichte lassen mich etwas innerlich teilhaben ..
LG Hansruedi